Spielbeginn

Eine zwölfköpfige Theatertruppe erprobt auf einer Bühne, was Theater sein kann. Sie atmen, wittern, schlucken und pusten, spielen mit ihren Stimmen und Bewegungsmöglichkeiten, dann reden sie los, später singen sie sogar. Mit auf der Bühne ist eine Erzählfigur, die die Handlung kommentiert und kurze Anweisungen gibt, doch auch die Schauspieler mischen sich mit Improvisationen ein, sodass fortwährend neue Fragen und überraschende Situationen entstehen, mal komisch, mal bedrohlich.

In einem zweiten Teil notiert Anton einzelne Beobachtungen bei einer Reise mit dem Schauspielkollegen Oskar in der Bodensee-Gegend. Beide staunen über die Unterschiede von Aussprache, Tonfall und Tempo in den einzelnen Regionen, zudem versuchen sie, die Sprachen von Reisenden und Migranten wahrzunehmen, sodass auch fremde Sprachen mitspielen.

In Spielbeginn erzählt Zsuzsanna Gahse von der Sprache, von ihrer klanglichen Vielfalt, von ihrer Fähigkeit, sich stets neuen Zeiten und Umständen anzupassen, sowie vom unerschöpflichen Archiv, das in jeder Sprache eingelagert ist. Und ganz nebenbei zeigt sie, wie modernes Theater zugleich erzählend und szenisch sein kann.

Willi gibt sich einen Ruck
geht zu einem Stehpult
holt ein Blatt aus der
Hosentasche und liest:
Als Gast in Immerlingen
blieb ich eine Woche dort,
an jenem kleinen Ort,
wo die Leute pausenlos
singen, sie unterhalten sich
mit Liedern, ohne zu sprechen,
kennen strophenweise Lieder
und erfinden auch neue,
sitzen in ihren Lokalen jeweils
zu zweit, zu dritt, trinken Tee
und singen einander ins Gesicht.


Zsuzsanna Gahse, »Spielbeginn«. Verrutschungen
Originalausgabe
144 Seiten, Hardcover, Fadenheftung, mit Schutzumschlag und Lesebändchen
€ 24,– inkl. MwSt
ISBN 978-3-902951-83-0
Erschienen im September 2025


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