Glossen gegen Gott

Marko Pogačar

Aus dem Kroatischen von Alida Bremer
Zweisprachige Ausgabe

»Poesie muss eine Sprachbombe sein«, sagt Marko Pogačar, und tatsächlich entzünden seine Gedichte mit ihren unvorhersehbaren Wendungen und überraschenden Bildern ein Feuerwerk kleinerer und größerer Explosionen – und vieles wird für den Leser nicht mehr so sein wie zuvor.

In Pogačars »Glossen gegen Gott« kommt neben dem Autor-Ich eine Vielzahl unterschiedlichster Stimmen zu Wort, wie etwa der Sammler der Sonntage, John Carpenter, ein Handbuch für Viehzucht und Sport, aber auch Orangen, ein anarchistisches Feuerzeug und eine Mikrowelle.

»Zu lieben, das ist das Leichteste, alles andere ist so schwer«, heißt es in diesem Band, der einen Jahreskreis umfasst, in den Szenen einer erkaltenden Beziehung eingestreut sind: »während die Vorräte der Liebe dünner werden und der Kaffee den Satz der Nacht fortspült / und ihn durch seinen eigenen Satz ersetzt.«

Und immer wieder taucht als Motiv die Wunde auf, »das offene Fenster, durch das die Welt hineintritt« – eine Wunde, die man anderen nicht abschauen kann, man muss seine eigene finden. Pogačars Poesie eröffnet hierzu einen Raum der Möglichkeiten.

WAS HAT DIE NIERE GESAGT

Ich habe das erschaffen.
so wie der Wind die Angst, die Angst den ersten Gott erschuf,
sein Wunsch, eine Band zu haben und sie Wham! zu nennen,
den nächsten, und die Götter die Leeren und die Gehorsamen.
so wie der Staudamm den See erzeugt, der See die Wunde,
die Wunde das kostbarste Wort.
ich hatte keine schlechten Absichten, ich wusste
eigentlich nicht, was ich mit diesem Antrieb anstellen sollte.
als hätte sich der Schöpfungswahn in alles eingeschlichen.
die Seuche raffte mich dahin wie der Mittagsschlaf:
ich wirtschaftete, so wie ich konnte, drehte Schallplatten um,
sparte mir vom Munde ab, um es aus nichts zu erschaffen,
das Wort faulte zu einem schmalen Sinnbild.
jedes Zusammenziehen ist Leidenschaft. jede Leidenschaft ruft den Tod herbei.
ich war mir am Ende all dessen bewusst, ich tat all das mit reinem Gewissen:
sobald ich sie gehört hatte, wusste ich, dass ich sie aufhalten muss.
wer kann, der soll seinen Beitrag leisten. jeder soll den eigenen Garten bestellen.
meine Steine überlasse ich niemandem.


Marko Pogačar, »Glossen gegen Gott«
Gedichte
Deutsche Erstausgabe. Zweisprachige Ausgabe
Aus dem Kroatischen von Alida Bremer
ca. 126 Seiten, Hardcover, Fadenheftung, mit Schutzumschlag und Lesebändchen
ca. € 22,– inkl. MwSt
ISBN 978-3-902951-70-0
Erscheint im Oktober 2022


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