10. Juli 2024
Petr Borkovec auf der Hotlist 2024
Das Kuratorium der Hotlist hat entschieden und aus den Einreichungen von 204 unabhängigen Verlagen (so viele wie nie zuvor!) eine Vorauswahl der 30 hottesten Bücher des Jahres getroffen. Best of Independent. Wir freuen uns, dass der neue Band von Petr Borkovec, Den Stock aufheben, in der fantastischen Übersetzung von Lena Dorn mit dabei ist. Ab sofort können nun alle bis inklusive 20. August 2024 über die zehn Bücher des Jahres mitbestimmen: 3 Titel der Hotlist werden durch öffentliche Wahl entschieden, die 7 weiteren entscheidet die Hotlist-Jury dieses Jahres.
Hier werden alle Kandidaten (mit Infos, Bildern, Leseproben) vorgestellt.
Hier wird das Buch von Petr Borkovec vorgestellt.
Hier geht’s direkt zur Abstimmung.
Der Schriftsteller und Kritiker Martin Becker meinte jüngst im Deutschlandfunk: »Petr Borkovec‘ doppelbödige, kluge und leichtfüßige Prosastücke funkeln wie Edelsteine, und nicht selten sind sie in all ihrer Rätselhaftigkeit einfach genau das: überwunderschön.«
Wir freuen uns, wenn Sie Ihre Stimme Petr Borkovec geben!
20. Juni 2024
Margret Kreidl erhält den H.C.-Artmann-Preis der Stadt Wien 2024

„Margret Kreidl ist in jeder Hinsicht eine singuläre Erscheinung in der österreichischen Gegenwartsliteratur, zum einen durch ihre Vielseitigkeit, zum anderen durch ihren unerschöpflichen sprachlichen Kosmos, der sich allen eindeutigen Zuschreibungen widersetzt. Die Autorin von Prosa, Theatertexten und Hörspielen hat immer wieder die Grenzen zu artverwandten Kunstformen überschritten und war mit Textinstallationen, Ausstellungen und Performances ebenso erfolgreich wie mit ihren Publikationen. Eine Konstante ihres literarischen Schaffens ist jedoch die Lyrik, die ihren Niederschlag in bisher sechs Buchveröffentlichungen fand. Margret Kreidls Lyrik ist stets ein Angebot zum Dialog mit anderen, mit Kunst und Medien. In der Auseinandersetzung mit den gesellschaftlichen Verhältnissen und all den Krisen unserer Tage gelingt es ihr pointiert, witzig und konkret den Bogen zu schlagen von den kleinen, alltäglichen Vorkommnissen bis hin zu politischen Fragen. Kreidls Gedichte lassen sich nicht in poetische Kategorien fassen, sie bewegt sich lustvoll und souverän zwischen freien Versen, Reimen, Listen und Zeilensprüngen. Spiel und Regel sind ihr kein Gegensatz. Mühelos und sprachgewandt schafft sie aus diesem Antagonismus wunderbare Texte, die manchmal verstören, nachdenklich machen und einem auch immer wieder ein Lachen entlocken können. Margret Kreidls lyrisches Schaffen ist ein Beweis, wie gegenwärtig diese Kunstform sein kann. Sie schafft es Leser und Leserinnen mitzunehmen und anzuregen, mit Phantasie und scharfem Verstand den Problemen der Zeit zu begegnen.“ (Begründung der unabhängigen Fachjury)
„H.C. Artmann war ein Lyriker, Übersetzer, Geschichtenerzähler – ein Künstler, der die deutsche Sprache und ihre Orthografie, ihren Dialekt erforschte und dabei sein Publikum inspirierte. Ich freue mich, dass die Vergabe des H.C.-Artmann-Preises ein Anlass ist, diesem außergewöhnlichen Sprachartisten zu gedenken und damit einhergehend Margret Kreidl zu ehren: eine Schriftstellerin, die sich in ihrer Arbeit fließend zwischen den literarischen Gattungen zu bewegen vermag und diese miteinander verknüpft; eine Künstlerin, die interdisziplinär tätig ist und auch in anderen Kunstformaten arbeitet. Für ihr lyrisches Schaffen erhält Margret Kreidl den diesjährigen H.C.-Artmann-Preis der Stadt Wien. Herzliche Gratulation der Preisträgerin!“ (Veronica Kaup-Hasler, Wiens Stadträtin für Kultur und Wissenschaft)
23. April 2024
Franz Dodel erhält den Lyrikpreis Orphil 2024
Der Lyrikpreis Orphil der Landeshauptstadt Wiesbaden geht 2024 an den Schweizer Lyriker Franz Dodel für sein bisheriges lyrisches Werk, insbesondere den Band Nicht bei Trost. Tessitura. Die Auszeichnung ist mit 10.000 Euro dotiert und wird alle zwei Jahre vergeben. „Die Kürzestform des Haikus verschränkt sich bei Dodel mit der behaupteten Endlosigkeit eines Langgedichts. Das bestaunenswerte Inventar der poetischen Wunderkammer verbindet sich mit der religiösen Versenkung und poetischen Erkenntnis. Der ‚Trost‘ des Titels ist utopisch angelegt. Diese Utopie ist auszeichnungswürdig“, heißt es in der Begründung der Jury, bestehend aus Carolin Callies (Lyrikerin und Literaturvermittlerin), Christian Metz (Literaturwissenschaftler und -kritiker) und Beate Tröger (Freie Literaturkritikerin).
Wir freuen uns mit unserem Autor über diese hohe Auszeichnung durch eine namhafte Jury.
Franz Dodel, geboren 1949 in Bern, lebt in Boll und Lugnorre, Schweiz. Seit 2002 arbeitet der Autor täglich an dem Haiku-Endlosgedicht Nicht bei Trost. Auf www.franzdodel.ch kann die Fortführung des stetig wachsenden Kettengedichts mitverfolgt werden. In der Edition Korrespondenzen liegen derzeit sieben Bände vor. Im Jahr 2008 wurde „Nicht bei Trost“ als eines der „schönsten Bücher Österreichs“ mit dem Staatspreis ausgezeichnet. 2009 und 2011 wurde Franz Dodel mit dem Literaturpreis des Kantons Bern geehrt.
Sirka Elspaß erhält den mit 2.500 Euro dotierten Orphil-Debütpreis für ihr lyrisches Erstlingswerk „ich föhne mir meine wimpern“.
Die Verleihung des Lyrikpreises Orphil der Landeshauptstadt Wiesbaden durch Kulturamtsleiter Jörg-Uwe Funk findet am Mittwoch, 05. Juni 2024, um 19.30 Uhr im Literaturhaus Villa Clementine statt.
20. Januar 2024
Anja Utler erhält den Peter-Huchel-Preis 2024
Der Peter-Huchel-Preis für deutschsprachige Lyrik geht 2024 an Anja Utler. Die Jury würdigte in ihrer Sitzung am 19. und 20. Januar 2024 den in der Edition Korrespondenzen erschienenen Band „Es beginnt. Trauerrefrain“ als herausragende Neuerscheinung des Jahres 2023. Der mit 15.000 Euro dotierte Peter-Huchel-Preis wird am 3. April, dem Geburtstag Huchels, in Staufen im Breisgau verliehen. Preisstifter sind der Südwestrundfunk und das Land Baden-Württemberg. Wir freuen uns riesig mit unserer Autorin.
Die Jury in ihrer Begründung:
Anja Utlers Trauerrefrain beginnt mit einer Zäsur: dem Angriffskrieg Russlands auf die Ukraine, der für die Dichterin jede politische, existenzielle und poetische Sicherheit infrage stellt. Von zwei Einsatzpunkten aus findet sie zur Sprache: in einer Folge von 209 kleinsten Gedichten und in einem luziden Essay. Die Vierzeiler, deren erster Vers durchweg lautet, „Es beginnt der Tag“, sind tastende Sprachkonzentrate am Rande des Sagbaren. In ihrer Abfolge bilden sie eine Litanei von größter Intensität. Die Jury würdigt die intellektuell brillante wie poetisch umsichtige Suche, die von der Hoffnung getragen ist (so Utler mit Václav Havel), „dass etwas Sinn hat, ohne Rücksicht darauf, wie es ausgeht“.
27. August 2023
Buch des Monats September 2023
Zum Buch des Monats September 2023 hat die Darmstädter Jury das Buch Es beginnt. Trauerrefrain von Anja Utler gewählt. Wir freuen uns mit unserer Autorin über die ehrenvolle Auszeichnung durch diese renommierte Institution.
In der Jurybegründung heißt es:
Der russische Angriffskrieg auf die Ukraine versetzte die Lyikerin, Übersetzerin, Essayistin und Slawistin Anja Utler in extreme Gemütszustände. Einer heftigen Arbeitswut folgte lähmende Trauer. Das Schreiben von Gedichten blieb der Autorin aber möglich, wenn auch auf neue Weise.
Der Band „Es beginnt“ versammelt 209 Kürzestgedichte, die frei der Form des japanischen Haiku folgen. Er ist flankiert von einem Essay, in dem Utler über ihre Gedichte und ihre Gemütszustände nachdenkt, über die Frage, wie Gefühle in Sprache umgesetzt werden können. Fragen wie „Was geschieht?“, „Darf ich überhaupt in solche Zustände geraten?“, „Wie gehe ich mit ihnen um, ohne in Selbstbezüglichkeit und Selbstmitleid zu verharren?“, „Wie ist ein anderer Umgang mit Gefühlen im Gedicht möglich?“ sind weit entfernt von falscher Betroffenheit.
Der Essay und die motivisch eng verknüpften, bis an die Grenze des Sprechens verknappten 209 Haikus des Bandes zeigen zugleich, dass einer Hilflosigkeit angesichts der gewaltsamen und willkürlichen Seiten unserer Zeitläufte etwas entgegengesetzt werden kann, dass Mitgefühl auch vermittels poetischer Sprache artikulierbar ist. Sie zeigen, dass diese Sprache Erkenntnis befördern und Widerständigkeit stärken kann: „Es beginnt der Tag / Er ließ sich nicht umgehen. / Die Pflanzen stranden / im Licht; reagieren“.
Darmstädter Jury „Buch des Monats e.V.“, Beate Tröger
6. März 2023
Anja Utler erhält den Ernst-Jandl-Preis für Lyrik 2023
Kulturstaatssekretärin Andrea Mayer: „Der Ernst-Jandl-Preis des Jahres 2023 geht an eine Sprachkünstlerin, die in ihren lyrischen Texten Erfahrungs- und Resonanzräume öffnet, in denen die Koordinaten von Welt, Sprache und Ich verschoben werden: an Anja Utler. Anja Utler, die in ihren Themen und Stoffen ganz und gar gegenwärtig ist und in der Tradition der modernen Lyrik schreibt, versteht es, in ihrer literarischen Arbeit an die Anfänge der Dichtung zu erinnern, an Klang, Rhythmus und Gesang, an die große Sprach- und Sprechkunst des Gedichts, in der es immer auch um Existenzielles geht. Sie ist eine einzigartige Dichterin, Übersetzerin, poetisch denkende Essayistin und eine Autorin, die in der Kunst des Vortrags und der Performance neue Wege geht.“
Der Ernst-Jandl-Preis für Lyrik, gestiftet vom österreichischen Bundesministerium für Unterricht, Kunst und Kultur, ist mit 15.000 Euro dotiert und wird seit 2001 alle zwei Jahre vergeben. Der Preis wird im Rahmen der Lyriktage in Neuberg an der Mürz (Steiermark) überreicht, die dieses Jahr von 23. bis 25. Juni stattfinden werden.
Wir freuen uns riesig mit unserer Autorin, deren neues Buch Es beginnt. Trauerrefrain gerade in Druck ist und Anfang April 2023 erscheinen wird.
23. November 2022

Wir trauern um unsere Autorin GWENDOLYN LEICK, die am 19. November 2022 einem Krebsleiden erlag, dem sie viele Jahre lang, bis zuletzt, mit beeindruckend stoischer Haltung begegnete.
Zum literarischen Schreiben fand Gwendolyn Leick erst sehr spät. Aufgewachsen in Weißkirchen (Steiermark) und Graz und ab 1975 in London lebend, erfuhr sie internationale Anerkennung zunächst durch ihre wissenschaftliche Arbeit als Verfasserin enzyklopädischer Werke über den historischen Nahen Osten, die bis heute als Standardwerke der Altorientalistik gelten. Im Alter von 52 Jahren begann sie mit dem Gewichtheben, worin sie u.a. drei Weltmeistertitel errang. Die Filmemacherin Ruth Kaaserer porträtierte die ungewöhnliche Athletin in dem preisgekrönten Dokumentarfilm Gwendolyn (2017).
Erst in den letzten zwei Jahren ihres Lebens entstanden die autobiografischen Bände Franckstraße 31 (erschienen im November 2021) und In der Eselgrube (September 2022). In diesem literarischen Vermächtnis erzählt sie mehr von anderen Menschen als von sich selbst: warmherzig, intellektuell, einfühlsam, klug, versuchend, dem Leben jedes Einzelnen gerecht zu werden, stets auf der Seite der sozial Schwächeren. Doch gerade indem sie über andere schrieb, wurde ihre eigene, große Persönlichkeit deutlich.
Gwendolyn war nicht mehr die nötige Zeit vergönnt, um die Resonanz einer größeren Leserschaft zu erfahren. Aber sie wusste, dass Bücher, wie alle Zeugnisse der Schriftkultur, ihre eigenen Schicksale haben und oft lange nach ihrem Entstehen in anderen Menschen etwas auszulösen vermögen. Einige Leser:innen, deren unbestechliches, kritisches Urteil sie schätzte, brachten ihre Bewunderung für diese Texte zum Ausdruck – was ihr viel bedeutete: „Spätes Glück, noch süßer!“, schrieb sie in einer der letzten Nachrichten an uns. Noch in den letzten Wochen, buchstäblich bis ans Totenbett, arbeitete sie an einer Übersetzung der Essential Stories von David Plante, ohne Illusion, dass sie deren Erscheinen noch erleben könnte, vielmehr „sub specie aeternitatis“.
Am vergangenen Samstag, wenige Tage nach Abschluss dieser Arbeit, starb Gwendolyn Leick in einem Hospiz in London im Kreis ihrer Angehörigen.
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15. März 2022
Der Band Schlüssel zum Offenen von Margret Kreidl wurde von der Jurorin Daniela Strigl ausgewählt für die Lyrik-Empfehlungen 2022.
1. September 2021
Unsere Autorin Margret Kreidl erhält den diesjährigen Preis der Stadt Wien für Literatur. Die offizielle Preisverleihung wird am 10. Mai 2022 im Festsaal des Wiener Rathauses stattfinden. Wir gratulieren herzlich!
21. März 2021
Der Band kommen sehen von Anja Utler wurde vom Juror Nico Bleutge ausgewählt für die Lyrik-Empfehlungen 2021.
11. Februar 2021
Das Wien Museum zeigt die Open-Air-Ausstellung Almost. Wiener Weltreisen, 1873 / 2020, in der Bilder der Wiener Weltausstellung von 1873 mit Fotografien von Wojciech Czaja in Bezug gesetzt werden. Zu sehen bis 23. Mai 2021 am Bauzaun des Wien Museums am Karlsplatz.
16. Januar 2021
Anja Utler hat einen persönlichen Nachruf auf ihre am 8. Januar 2021 verstorbene Freundin und Kollegin Barbara Köhler verfasst. Sie finden ihn auf der Website von literaturgebiet.ruhr.
Presseinformation 11. Januar 2021
Die Dichterin und Künstlerin Barbara Köhler ist tot
nichts ist vollkommen aber alles
ist möglich nichts geht wirklich
zuende
aus: cor responde (1998)

Am 8. Januar 2021 ist nach einem lange geduldig bekämpften Leiden die Dichterin und Künstlerin Barbara Köhler gestorben. Damit ist eine der bedeutenden Stimmen der deutschsprachigen Wortkunst zu früh verstummt. Das Schaffen der Lyrikerin, Essayistin, Installationskünstlerin und Übersetzerin bleibt als ein wertvolles Gesamtwerk zurück, das bereits vielfach geehrt wurde, u. a. mit dem Clemens-Brentano-Preis (1996), dem Literaturpreis des Ruhrgebiets (1999), dem N. C. Kaser-Lyrikpreis (2005), dem Spycher-Literaturpreis (2007), dem Joachim-Ringelnatz-Preis (2008), dem Erlanger Literaturpreis für Poesie als Übersetzung (2009), dem Poesiepreis des Kulturkreises der deutschen Wirtschaft (2009), dem Peter-Huchel-Preis (2016), dem Alice Salomon Poetik Preis (2017) sowie dem Ernst-Meister-Preis (2018).
Barbara Köhler wurde am 11. April 1959 geboren und wuchs im sächsischen Penig auf. 1976 bis 1979 machte sie in Plauen eine Ausbildung mit Abitur zur „Facharbeiterin für textile Flächenherstellung“, eine Lehre, die oft symbolisch für die spätere Wortweberin aufgefasst wurde. Nach dem Abschluss zog sie nach Chemnitz und arbeitete dort in verschiedenen Berufen, u. a. am Theater. 1985 bis 1988 studierte sie am Institut für Literatur Johannes R. Becher in Leipzig. Seit 1994 und bis zu ihrem Tod lebte sie in Duisburg.
Barbara Köhlers lyrische und essayistische Werke erschienen unter anderem bei den Verlagen Suhrkamp, Dörlemann und Lilienfeld, zuletzt vor allem in der Edition Korrespondenzen. Sie sah sich selbst „als beobachtender teil des systems, als lyrikerin, übersetzerin, im genus femininum, in einem spiel zwischen den sprachen“ (aus: Neufundland, 2012). Sie übersetzte u. a. Gertrude Stein und Samuel Beckett. Und seit ihrem ersten Gedichtband Deutsches Roulette (1991) bis hin zu den 42 Ansichten zu Warten auf den Fluss (2017) verbinden sich in ihrer Lyrik und Prosa ausgehend von einer selbst auferlegten strengen Form Alltagsbeobachtung, Wissenschaft und Poesie zu einzigartigen rhythmisch-gesanglichen Untersuchungen von Sprachen und Sprachräumen, die tief hinein in das faszinierende Gewebe der mythischen, historischen und alltäglichen Querverbindungen führen. Ihre Leitthemen sind dabei immer wieder die Odysseus-Sage und die Orte, in die Barbara Köhler durch ihr künstlerisches Leben geführt wurde, wie z. B. London, Istanbul, Portugal und das Ruhrgebiet. Sie folgte zahlreichen Einladungen (u. a. 1995 Stadtschreiberin von Rheinsberg, 1997 Writer in Residence an der University of Warwick, 2009 Max Kade Writer am Oberlin College, Ohio, und Poet in Residence an der Universität Duisburg-Essen sowie 2013 Artist in Residence an der Cornell University, Ithaca NY) und wurde mit Poetikdozenturen geehrt (2012 Thomas-Kling-Poetikdozentur der Kunststiftung NRW an der Rheinischen Friedrich-Wilhelms-Universität Bonn, 2016 Ernst-Jandl-Poetikdozentur der Universität Wien). Zuletzt war sie Gastprofessorin für Literarisches Schreiben an der Kunsthochschule für Medien Köln.
Die lyrische und essayistische Kunst Barbara Köhlers wurde immer begleitet von Textinstallationen, „Schriftbildern“, Audio-Arbeiten und Multiples sowie temporären und ständigen Arbeiten im öffentlichen Raum und in privaten Gärten. Das Interesse am Organischen in den Sprachen findet sein Äquivalent in der akribischen Liebe zur Pflanzenwelt und zur Gartenkunst, und während in ihren Texten Räume zu Sprache werden, bringt sie mit ihren Installationen und Bildern Texte in Räume, sie nannte es einmal „Schrift stellen“.
Um einen Text im Raum entspann sich auch eine heftige Diskussion, als 2017 von der Fassade der Alice Salomon Hochschule Berlin ein Gedicht entfernt werden sollte. An der Stelle des Textes sollten fortan in regelmäßigen Abständen andere Texte die Fassade schmücken, beginnend mit einem von Barbara Köhler. Die Verhärtungen in der Diskussion über die Gründe für die Entfernung des Gedichtes waren nicht aufzulösen, aber die Lösung, die Barbara Köhler schließlich erfand, zeigt ganz beispielhaft ihren Charakter und den Charakter ihrer Kunst: Das vormalig auf der Wand befindliche Gedicht scheint weiterhin durch, und der neue, darüberliegende Text zieht freundlich beharrend und zur Versöhnlichkeit einladend die Bilanz – „WÜNSCHEN SIE IHNEN / BON DIA GOOD LUCK“.
So ist ihr Werk, wie sie als Mensch war: bescheiden im Persönlichen, feinnervig im Ästhetischen, standfest in der Sache, aber friedliebend im Geist, auf verspielte Art hochgelehrt und nicht zuletzt sympathisch humorvoll. Wir werden sie sehr vermissen.
Kunststiftung NRW, Düsseldorf
Edition Korrespondenzen, Wien
Galerie m, Bochum
Lilienfeld Verlag, Düsseldorf
Museum DKM, Duisburg